Wetter für Nordfriesland

Synoptische Übersicht - Kurzfrist

Die Synoptische Übersicht - Kurzfrist zeigt auf der Grundlage der verschiedenen Modellrechnungen die Einschätzung und Entwicklung des Wetterverlaufs für den Zeitraum Heute bis Übermorgen.
Erläuterungen zum Aufbau des Berichtes sowie die Bedeutung der speziellen Begriffe und Abkürzungen finden Sie hier    
        Aufbau und Erklärungen

Synoptische Übersicht - Mittelfrist

Die Synoptische Übersicht - Mittelfrist zeigt auf der Grundlage der verschiedenen Modellrechnungen die Einschätzung und Entwicklung des Wetterverlaufs für den  Zeitraum 3. bis 7. Folgetag.


    Übersicht Mittelfrist

Synoptische Übersicht Kurzfrist - täglich 08 und 18 Uhr UTC

syn Vorhersage

Synoptische Uebersicht - Kurzfrist


ausgegeben am Dienstag, den 18.09.2018 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen

Im Süden hochsommerlich warm bis heiß mit Gewittern, im Nordseeumfeld mitunter steife Böen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

 Aktuell ... zeigt sich auf dem Nordatlantik ein Langwellentrog in 500 hPa, dessen Achse sich aktuell in Richtung Iberischer Halbinsel erstreckt, Auf der Vorderseite des Troges laufen aktuell kurzwellige Anteile ab, die auch Deutschland betreffen und im Südwesten und Süden entsprechende Hebung generieren. Die aktuell zu beobachtenden Gewitter sind dabei einer Luftmasse geschuldet, die zwischen Main und Alpen labil geschichtet ist (LapseRates unter0,7K/100m, mit den niedrigsten Werten im Südwesten) und recht hohe Feuchtewerteaufweist (PPWs bis zu knapp 30 mm), das im markanten Bereich liegende Niveau derGewitter erklärt sich dabei auch durch CAPEWerte, die beispielsweise das ModellICON6Nest in einer Größenordnung von bis zu 1500 J/kg ansiedelt. Das zu dem oben angesprochenen Langwellentrog gehörende Tiefdruckgebiet überdeckt weite Teile des Nordatlantiks und weist mehrere Kerne auf, wobei der Hauptkern westlich von Schottland zu finden ist. Ein weiter, östlich der Südküste Norwegens liegender Kern weist sogar eine eigene Kaltfront auf, die in einem Bogen über die Doggerbank bis nach Norddeutschland reicht. Diese ist zwar nur wenig wetterwirksam, aber in ihrem Bereich sind die Wolken dichter und der Wind frischt mitunter böig auf, was dem im Frontbereich auf der Südwestflanke des Tiefdruckkomplexes etwas verschärften Gradienten geschuldet ist. So treten an der Nordseeküste einzelnen steifen Böen Bft 7 aus Südwest bis West auf. Erwähnt sei noch, dass dem Tiefkomplex über dem Atlantik über dem Süden Deutschlands eine Hochdruckbrücke mit gradientschwachen Bedingungen gegenübersteht, die sich von Spanien bis nach Osteuropa erstreckt.
  In der Nacht greift der Langwellentrog weiter nach Osten aus. Da er auf seiner Rückseite durch einen einströmenden massiven Kaltluftkörper regeneriert wird, bildet sich eine neue Hauptachse aus. Diese weist ausgangs der Nacht vom zentralen Nordostatlantik nach Süden, während die ursprüngliche Hauptachse als Kurzwellentrog Deutschlands Süden überquert und zum Datumswechsel etwa von der Kölner Bucht ins Werdenfelser Land zeigt, um am Morgen Ostbayern zu erreichen. Auf der Vorderseite des Troges und der Südwestflanke des großräumigen Tiefs überdem Nordatlantik, dessen Lage sich, zumindest unter dem Blickwinkel des Warnmanagements für Deutschland, nicht entscheidend ändert, wird die labil geschichtete Luft mit ihren inhärenten Charakteristika (Feuchte, Labilität) allmählich in Richtung Osten bzw. Nordosten verfrachtet. So ist zu erklären, dass sich der Gewitterschwerpunkt in der Nacht in Richtung Bayern bzw. Mitteldeutschland verlagert, und der Grund dafür, dass die Gewittertätigkeit nicht tagesgangbedingt nachlässt, liegt in dem beschriebenen Kurzwellentrog (undteils orografischer Unterstützung). Kurz: Auch in der Nacht zu Mittwoch ist mit Gewittern zu rechnen, wobei ICON und seine Derivate, aber auch EZMWF, die Gewitterschwerpunkte am Alpenrand und später im Bayerischen Wald (ICON dann auchvon der Südpfalz bis zum Westerwald) sehen, während GFS auch in Mitteldeutschland Niederschlagsignale andeutet. Während im Süden der Focus also auf den Gewittern liegt, wird der Norden von derschwachen, immerhin im thermischen Feld, wenn auch nur schwach, erkennbaren Front überquert, die auch wegen ihres schleifenden Charakters weiterhin kaum wetterwirksam ist. Da postfrontal aber der Gradient etwas auffächert, gehen die steifen Böen an der Nordsee vorübergehend in die Knie, so dass in der zweiten Nachthälfte wohl diesbezüglich keine Warnungen mehr erforderlich sein werden. Stattdessen kann es im Süden, insbesondere in Ecken, an denen der Nachmittag oder der Abend etwas Regen gebracht haben, Nebel auftreten.

 Mittwoch ... müssen wir uns doch noch um die Form des Tiefdruckkomplexes auf demAtlantik kümmern, da in seine Zirkulation ein kleinräumiges Tief westlich von Irland eingebunden wird. Dieses wird dann am Tage über Schottland hinweg zur nördlichen Nordsee geführt, um in der Nacht zu Donnerstag entlang der norwegischen Küste nach Norden zu ziehen und sich dabei zum tiefsten Kern des Gesamtkomplexes zu entwickeln. An dieses Tief ist eine Kaltfront gekoppelt, die mit einer raschen östlichen Verlagerung am Tage England überquert und die Nordsee erreicht, um dann über den Süden Skandinaviens bis zur zentralen Ostsee voranzukommen. Allerdings wird diese Front über der Nordsee durch die zügige Verlagerung in ihrem nördlichen Teil zunehmend schleifend und kann kaum noch weiter nach Süden ausgreifen. Ihre Wolken erreichen aber immerhin (schon am Tage) den Nordwesten, und von Nord bis nach Ostfriesland kann es in der Nacht etwas regnen. Da im Frontbereich bzw. präfrontal der Gradient aber wieder etwas anzieht, kann an der Nordsee und auch im Nordwesten der Wind wieder etwas zulegen und erreicht dann wieder lokal die Bft 7. Die vom Vortag noch über der nördlichen Mitte befindliche Kaltfront verliert dagegen weiter an Einfluss und löst sich zunehmend auf, auch, weil sie in die Hochdruckbrücke über dem Süden Deutschlands hineinläuft. Das Ganze geschieht auf der Vorderseite des atlantischen Langwellentroges, der zwar etwas nach Süden ausgreift und nach Osten vorankommt, aber in seiner Gesamtstruktur mit glattem Strömungsmuster nur geringe Änderungen aufweist. Die langsame Verlagerung des Troges begünstigt ebenso wie seine gleichförmige, keineklar ausgeprägte Achse aufweisende Struktur die Wellenbildung von in seinem Einflussbereich liegenden Frontenzügen was auch für die zum Atlantik weisende Verlängerung der NordseeFront gilt. So kräftigt sich südwestlich von England eine ebensolche Welle, die aber erst am Folgetag eine bedeutende Rolle für unserWetter spielen wird. Da mit der über der Nordsee verharrenden Front (und der sich über der Mitte auflösenden Front) auch ein Luftmassenwechsel ausbleibt, liegt über der Südosthälfte immer noch eine feuchte, warme (T850 um 12 Grad) und labil geschichtete Luftmasse. Dabei sind die MUCapeWerte im Südosten mit bis zu 1300J/kg nicht mehr ganz so hoch und die Labilität (LapseRates unter 065 K/100m) nicht mehr so niedrig wie noch am Vortag. Allerdings deuten die PPWs mit Werten weiterhin knapp unter 30 mm auf markante Gewitter hin. Dies ist nicht nur bei ICON und seinen Derivaten so, sondern auch bei externen Modellen wie EZMWF (MLCape 1200 J/kg) oder GFS (Cape bis etwa 1000 J/kg, PPWs bis 25 mm), wobei GFS die höchsten CAPEWerte deutlich weiter nördlich (Norddeutschland) simuliertals ICON oder EZMWF. Da aus der Höhe keine klaren Hebungsantriebe zu erkennen sind, sollte die Orografie bei der Auslöse eine entscheidende Rolle spielen. Mithin könnte es vor allem entlang der Schwäbischen Alb, an den Alpen und im ostbayerischen Mittelgebirgsraum, mit geringer Wahrscheinlichkeit auch im Erzgebirge für einzelne Gewitter reichen. Begleiterscheinungen sind wiederum vorallem der Starkregen, aber auch kleinkörniger Hagel und eventuell eine stürmische Böe. Die Unwetterwahrscheinlichkeit ist aber etwas geringer als am Vortag.Ansonsten verläuft der Tag warntechnisch erneut ruhig (abgesehen von den o.e. einzelnen Böen Bft 7 im Nordseeumfeld und vielleicht auch mal einer Bft 8 auf dem Brockenplateau). Die Wolkenfelder im Einflussbereich der ehemaligen Kaltfront "zerbröseln" mehr und mehr und vielerorts zeigt sich die Sonne. Vor allem am Oberrhein, im RheinMainGebiet und in der Lausitz sowie im Erzgebirgsvorland dürften die 30 Grad noch einmal erreicht oder überschritten werden.
  In der Nacht zum Donnerstag verlagert der Höhentrog seinen Schwerpunkt zum Nordmeer, wobei die Höhenströmung an dessen Südflanke vor allem über Nord und Westdeutschland etwas stärker wird, aber weiterhin ziemlich glatt konturiert bleibt, während Süddeutschland weiterhin im Einflussbereich eines von Südwesteuropa bis zur Ukraine reichenden Höhenrückens bleibt.Das von Schottland zur nördlichen Nordsee ziehende Tiefdruckgebiet wurde schon erwähnt, ansonsten verläuft die Nacht bei sich vor allem in Süddeutschland noch etwas verstärkenden Hochdruckeinfluss ruhig. Eventuelle Gewitter lösen sich nachts rasch auf, bei oft geringer Bewölkung kann sich in der Südhälfte allerdings wieder vermehr Nebel bilden.

 Donnerstag ... erfolgt eine weitere, nunmehr deutlicher konturierte Austrogung westlich der Britischen Inseln, wodurch die Höhenströmung etwas aufsteilt. Damitbekommt die südwestlich der Britischen Inseln schon am Vortag erkennbare Welle den Hebungsinput, den sie zu Ihrer Vertiefung braucht. Sie erreicht bis zum Abend die südliche Irische See, um über Nacht zur zentralen Nordsee zu ziehen und dabei einen Kerndruck unter 990 hPa zu entwickeln. Ein Blick auf externe Modelle zeigt, dass es spätestens zu diesem Zeitpunkt mit der Modellharmonie dahin ist. GFS simuliert das Tief am Freitagmorgen mit knapp 990 hPa Kerndruck über dem Skagerrak, EZMWF (Lauf 00 UTC
) mit Kerndruck unter 980 hPa über der nördlichen Nordsee. Mit dieser Entwicklung wird die Kaltfront spätestens in der zweiten Tageshälfte, vor allem aber in der Nacht massiv als Warmfront nach Norden geschoben. Diese beeinflusst mit ihren Wolkenfeldern den Nordwesten, anfangs auch noch mit geringen Niederschlägen im Nordseeumfeld, die später nach Norden auswandern. Der Druckgradient über der Nordsee bleibt zunächst nahezu unverändert, mit dem Tagesgang nimmt aber die turbulente Durchmischung im Bereich eines Bodentroges etwas zu, so dass neben dem Nordseeumfeld auch im nordwestdeutschen Binnenland einzelne Böen Bft 7 aus Südwest nicht ausgeschlossen sind. Erst mit Annäherung des Wellentiefs in der Nacht zum Freitag legt der Wind im Norden und Westen dann deutlich zu, ausgangs der Nacht dann auch mit stürmischen Böen im Nordseeumfeld sowie auf einigen Mittelgebirgsgipfeln.Als Konsequenz aus der nordwärtigen Verlagerung der Front über der Nordsee ergibt sich auch, dass weite Teile des Vorhersagebereichs im Warmsektor und im Zustrom sehr warmer Luftmassen subtropischen Ursprungs bleiben, die Temperatur in 850 hPa erreicht abgesehen vom Nordseeumfeld um 15 Grad. Über Süddeutschland befinden sich weiterhin Reste der potenziell instabilen Luftmasse, allerdings trocknet diese mit der Überströmung der Alpen etwas aus (PPWWerte nur noch um 25 mm, MLCAPE bis 1000 J/kg), dazu ist die Luftmasse aufgrund der WLA auch gedeckelt. Die Wahrscheinlichkeit für einzelne Gewitter bleibt somit auch im Bergland nur gering, wenngleich man einzelne Überentwicklungen vor allem im ostbayerischen Mittelgebirgsraum nicht komplett ausschließen kann. Im großen Rest des Landes scheint häufig die Sonne und es wird noch einmal sehr warm mit Höchstwerten zwischen 26 und 32 Grad, lediglich im äußersten Norden/Nordwesten wird es unter den etwas dichteren Wolken nicht ganz so warm.

 Freitag ... zieht ein Sturmtief über Südskandinavien hinweg ostwärts. Seine Kaltfront überquert Deutschland von Nordwest nach Südost und führt kühle Meeresluft subpolaren Ursprungs heran mit 850hPaTemperaturen im Westen und Norden unter 5 Grad C. Der zugehörige, recht breite Höhentrog zieht im Tagesverlauf nach Deutschland.

Modellvergleich und einschätzung
Die Modelle simulieren bis zum Donnerstag recht ähnlich, insbesondere bei den Gewitterschwerpunkten zeigen sich aber Unterschiede, die jedoch im erwartbaren Rahmen liegen und im Text angesprochen wurden. Ab Donnerstag nehmen die Modellunterschiede deutlich zu.

Vorhersage und Beratungszentrale Offenbach  Dipl. Met. Martin Jonas

Datenbasis : Deutscher Wetterdienst - Text ungekuerzt